Vielleicht ist dem einen oder anderen Leser ja der anonyme Mensch aufgefallen, der in meinem Blog vor nicht allzulanger Zeit durch besonders aggressive Postings auf sich aufmerksam gemacht hat. Er gab sich als Polizist im gehobenen Dienst aus, beschimpfte mich als Arbeitslosen, der den ganzen Tag faul auf der Couch liegt und zählte schließlich noch seine angeblichen Statussymbole auf, wobei er ganz besonders stolz auf seinen angeblichen 5er Dienst-BMW war. Diese haltlosen Beschimpfungen waren zwar schnell gelöscht. Da der Mensch aber eine gewisse Renitenz an den Tag legte, habe ich seine Postings einer guten Bekannten von mir vorgelegt, die eine PR-Agentur leitet. Dort ist man auf die Verwaltung und Beantwortung von Fanpost an Prominente spezialisiert. Unbedarft wie ich war, steckte ich den Typen noch in die Kategorie der Menschen, die mich einfach nicht mögen. Doch so einfach ist das wohl offensichtlich nicht. Es gibt einige Leute, die eine ernsthafte psychische Störung haben und ihre eigenen Probleme auf andere übertragen, so erklärte mir meine Bekannte. Bei denen in der Agentur trudeln permanent Briefe von Leuten ein, die ihr gesamtes Scheitern auf Promis übertragen. Sie machen zum Beispiel Fußballer für ihr berufliches Versagen verantwortlich. Es gibt wohl sogar tragische Fälle, wie eine Frau, die Til Schweiger für eine Fehlgeburt verantwortlich machte. Besonders interessant: Sie werfen diesen Promis gern vor, doch keiner richtigen Arbeit nachzugehen, und deshalb "all die Millionen", die sie angeblich dafür bekommen, nicht zu verdienen. Und wenn ich auch sicherlich kein Prominenter bin, so scheint dieser Mensch scheinbar mich auserwählt zu haben, seine persönliche Nemesis zu sein. Wahrscheinlich, so vermutet meine Fanpost-erfahrene Bekannte, ist er selber arbeitslos, wäre gern Polizist, hat aber keine richtige Perspektive und ärgert sich deshalb wohl darüber, dass jemand wie ich als Journalist mit PC-Spielen sein Geld verdient, was doch seiner Meinung nach gar keine richtige Arbeit ist. »Diese Leute empfinden das wirklich als extrem ungerecht", erklärte sie mir, »und sind im tiefsten Innern von der Richtigkeit ihrer Behauptungen überzeugt.« »Das«, so erklärt sie mir weiter, »ist oft schon ein Schritt auf der Leiter zum Stalker, die sich manchmal nur noch mit der echten Polizei bremsen lassen.« Nun will ich nicht die Pferde scheu machen, wahrscheinlich war der anonyme Typ wirklich nur ein frustrierter Mensch, der hier mal Dampf ablassen wollte. Doch die Worte meiner Freundin haben mich schon ein wenig beunruhigt. Deshalb mein Aufruf an den Anonym, der wahrscheinlich echte Probleme zu bewältigen hat: »Such dir professionelle Hilfe und versack nicht im Internet. Nicht die Welt ist böse, es erscheint dir nur so. Geh zum Arzt!«